Das Krokodil

Theater für Erwachsene

Zum Stück

Eine ungewöhnliche Begebenheit, wie ein Herr in achtbarem Alter und von achtbarem Äußeren von einem Krokodil lebendig ganz und gar verschlungen wurde, und was dies für Folgen hatte.

„Wenn du im Inneren eines Krokodils bist, siehst du die Welt viel klarer: Das ökonomische Prinzip hat auch dann Vorrang. In dieser von Handelskrisen geschüttelten Zeit ist es wohl kaum möglich, einen Krokodilsbauch ohne ökonomischen Ausgleich aufzuschneiden.“
aus: Das Krokodil, Dostojewski

Mit Das Krokodil ist Dostojewski eine sehr komische Erzählung gelungen. Unsere Inszenierung nimmt das menschliche Verhalten der Beteiligten in dieser Ausnahmesituation unter die Lupe:

  • Warum hält sich Iwan Matwejewitsch, der im Inneren des Krokodils plötzlich Zeit hat, über die wichtigen Fragen der Menschheit zu sinnieren, plötzlich für den Auserwählten?
 – Welche Gedanken gehen Jelena, der Frau des vom Krokodil Verschluckten durch den Kopf?
  • Wie geht der deutsche Besitzer des Krokodils mit der Situation um: das Krokodil aufschneiden und Matwejewitsch retten oder Geld verdienen?
  • Und zu guter letzt stellt sich die Frage: wie geht es Karlchen, dem Krokodil mit dieser Situation?

Kunstvoll ver­mischt man Schattentheater mit Videoprojektionen.

Kronen Zeitung

Minimalistische, aber doch reich bebilderte Inszenierung.

MeinBezirk.at

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Pressestimmen

Denkpause im Bauch der Bestie

Eine Persiflage auf den Kapitalismus hat Fjodor Dosto­jewski mit seiner Erzählung „Das Krokodil“ geschrie­ben, in der ein Mann vom titelgebenden Tier verschlun­gen wird und sich im Bauch der Bestie gut einrichtet. Das Theater Feuerblau bringt nun eine Dramatisierung des Stoffes im Grazer Kristallwerk auf die Bühne. 

Ein Schnapper und er ist weg: Eigentlich wollte sich Iwan Matjewitsch mit seiner Frau nur die neueste Attraktion Moskaus ansehen, doch dann wird er selbst zur Attraktion. Denn der Beamte überlebt die Fressattacke des Krokodils nicht nur, son­dern richtet sich in dessen Bauch gut ein. Während sei­ne Frau verlangt, dass das Tier aufgeschlitzt wird, zeigt sich Matjewitsch durchaus verständnisvoll dafür, dass der Besitzer es nicht opfern will. Immerhin ist das Kro­kodil sein Goldesel – und war noch nie wertvoller als mit menschlichem Inhalt. 

Mit dieser skurrilen Ge­schichte hat Dostojewski be­reits 1865 auf die mitunter skurril anmutende Logik des Kapitalismus – gut ist, was Geld bringt – geantwortet. Wie aktuell diese Persiflage auch heute noch ist, belegt das Theater Feuerblau ganz ohne aufgezwungene Gegen­wartsbezüge. Kunstvoll ver­mischt man Schattentheater in Scherenschnittoptik mit Videoprojektionen, Erzähl­theater mit Bewegungscho­reografien. Das Darsteller­trio Ulrike Zachhuber, Mo­nika Zöhrer und Klaus See­wald versucht dabei vor al­lem die Motive der einzelnen Figuren für ihr mitunter schräges Verhalten zu er­kunden. Über weite Stre­cken gelingt das mit intensi­ver Zurückhaltung und ein­drucksvoller Zeitlosigkeit. Nur am Ende reißt der Er­zählfaden dieser Inszenie­rung gar abrupt ab.

Kronen Zeitung, Christoph Hartner

Der Mann im Krokodil

Was tun, wenn man im Inneren eines Krokodils gefangen ist? Das Grazer Theater Feuerblau interpretiert eine Erzählung von Fjodor Dostojewski neu – und entführt das Publikum mit Schattenspielen und Wasserschüsseln direkt in den Bauch eines Reptils.

GRAZ. Als der Beamte Iwan Matwejitsch mit seiner Frau Jelena am Arm in Richtung Einkaufszentrum spaziert, um ein dort lebendig ausgestelltes Krokodil zu sehen, ahnt er nicht, wie sehr das sein Leben auf den Kopf stellen wird. Aber wie auch? Dass Krokodil Karlchen einfach das Maul aufreißen und den Beamten samt Karo-Pullover und Turnschuhen verschlucken könnte, ist ja auch einer der denkbar unwahrscheinlichsten Ausgänge eines solchen Trips. Und dass sich der Beamte dann auch noch erdreisten könnte, nicht daran zu sterben, wäre ja wohl der Gipfel der Absurdität. Doch genau das passiert in der satirischen Erzählung, die der russische Autor Fjodor Dostojewski 1865 veröffentlichte und die vom freien Theater Feuerblau jetzt fürs Theater adaptiert wurde.

Wie fühlen Sie sich?
Im Original macht sich „Das Krokodil“ vor allem über das „Ökonomische Prinzip“ lustig und übt Kritik am Kapitalismus: Nicht zuletzt ist den Beteiligten wichtiger, mit dem – durch Ivan zur Attraktion gewordenen – Krokodil Geld zu verdienen, als den lebendig in Karlchens Bauch steckenden Mann herauszuschneiden. Eins zu Null für die Gewinnmaximierung. In der Inszenierung, die das Team vom Theater Feuerblau aufführt, werden in einer knappen Stunde die Gefühle aller Beteiligten analysiert. Wieso hält sich Iwan plötzlich für einen auserwählten? Wie geht seine Frau mit der neuen Situation um und was hält das Krokodil eigentlich davon, einen unverdaubaren, menschengroßen Brocken im Magen zu haben?

Minimalismus bringt’s
Mit nur drei Schauspielern und einer Technikerin bringt das Theater Feuerblau diese Geschichte auf die Bühne und greift dafür tief in die Trickkiste: So wird das Krokodil zum Schattenspiel und bewegt sich auf einer riesigen Leinwand vor dem Publikum. Das Team kombiniert dafür geschickt die Aufnahmen einer Kamera mit mehreren Projektoren, imitiert mit einer Wasserschüssel noch die entrückte Welt im Inneren des Krokodils – und spielt, fast nebenbei, noch Theater. Kein Wunder, dass es für diese minimalistische, aber doch reich bebilderte Inszenierung lang anhaltenden Applaus gibt.

MeinBezirk.at, Ludmilla Reisinger

Team

Schauspiel, Stückentwicklung
Ulrike Zachhuber, Monika Zöhrer, Klaus Seewald

Inszenierung
Monika Zöhrer, Klaus Seewald

Dramaturgie
Eva Wallensteiner

Text
Fjodor Dostojewski

Bühnenbild, Lichtdesign
Christina Bergner

Kostüm
Monika Zöhrer

Produktion
Theater Feuerblau