Sisyphos 2.0

Theater für Erwachsene

Zum Stück

Herr K. ist einer von uns. Aufgeregt wartet er auf ein Bewerbungsgespräch.

Was mit der Freude über den neuen Job beginnt, entwickelt sich in eine Abfolge wechselnder, kafkaesker Bilder, die zur modernen Arbeitswelt Stellung beziehen. Herr K. richtet sich seinen Arbeitsplatz ein und schreitet motiviert zur Tat.

Doch dann kippt die Stimmung: Das Menschliche gerät in den Hintergrund, eine Computerstimme bestimmt ab jetzt den Arbeitstag von Herrn K., der zur Marionette, gefangen im eigenen Büro wird. Tastatur, Drucker und Papierschredder geben den Takt seiner Arbeit vor, in der sich Herr K. schließlich verliert. Ist man nicht selbst daran Schuld, wenn man keinen Sinn in der Arbeit findet, fragt sich der Protagonist irgendwann.

Theater Feuerblau nähert sich mit Motiven Kafkas und des antiken Mythos von Sisyphos dem Sinn und Unsinn der modernen Arbeitswelt, dem Spagat zwischen Brotjob und Selbstverwirklichung – humorvoll, nachdenklich, und in poetischen Bildern.

Zum Sounddesign:
Das Stück ist ein Zwiegespräch von Klang und Spiel: mal führt der eine, mal der andere. Das Sounddesign greift Klänge und Rhythmen der digitalen Arbeitswelt auf und transformiert diese. Die Arbeitsgeräte des Protagonisten wie Tastatur, Drucker und Schredder werden dabei live auf der Bühne als Klangerzeuger und Instrumente verwendet. Die Grenze zwischen dem akustischen Bühnengeschehen und den elektronischen Klängen verschwimmt zunehmend in dem Maße, wie der Protagonist sich selbst in der Arbeit verliert.

Eine fesselnde Bürostuhl-Hetzjagd am Puls der Zeit.

Kleine Zeitung

Ein sehr gelungener Theaterabend, der zum Nachdenken über die Leistungsgesellschaft und deren Sinnhaftigkeit anregt.

Kulturreferat der ÖH Uni Graz

Trailer

Termine

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Pressestimmen

Mythen der Bürowelt

Sisyphos trifft auf die moderne Arbeitswelt

Herr K. wartet die ganze Woche auf Freitag. Und wahrscheinlich sein ganzes Leben auf das Glück. ob er es im Arbeitsalltag findet, ist fraglich. Zwischen Drucker und Schreibtisch liegt eher die pure Überforderung verborgen. Per Lautsprecher werden dem gehetzten Aktenhengst nur noch mehr Aufgaben zugeworfen. Herr K. buckelt und schreddert Papier in Bestzeit, doch das alles hilft nichts: das Büro-Karussel dreht sich unaufhörlich weiter.

Wie der Name des Stücks „Sisyphos 2.0“ schon verrät, wird der antike Mythos über die Sinnwidrigkeit der Welt im Grazer Kristallwerk neu aufgerollt. Dafür lässt das Theater Feuerblau eine Aneinanderreihung kafkaesker Bilder auf die heutige Arbeitswelt prallen. Klaus Seewald mimt den rastlosen Herrn K., der zeitweise von Regisseurin Monika Zöhrer als Marionette der Arbeit gespielt wird.

Eine fesselnde Bürostuhl-Hetzjagd am Puls der Zeit.

Kleine Zeitung, Katrin Fischer

Und täglich grüßt die Stechuhr

Das Theater Feuerblau liefert mit „Sisyphos 2.0“ ein Stück für Erwachsene, dass die Geschichte von Sisyphos und seiner nie wollenden sinnlosen Tätigkeit auf die heutige Zeit und die moderne Arbeitswelt überträgt und dabei fragt, ob man in dieser Leistungsgesellschaft denn überhaupt glücklich werden kann.

Der antike Mythos ist bekannt: Der kluge Sisyphos schafft es mehrmals die Götter und den Tod zu überlisten. Als Strafe wird er verdammt auf ewig einer sinnlosen Tätigkeit nachgehen zu müssen. Sisyphos muss einen Stein auf einen Berg hinauf rollen, der, sobald er oben ankommt, wieder hinunterrollt und das Spiel von vorne beginnen lässt.

In diesem Stück treffen wir auf Sisyphos 2.0: Herr K. hat soeben ein Bewerbungsgespräch hinter sich gebracht und kann sein Glück kaum fassen, endlich seinen Platz in der Arbeitswelt gefunden zu haben. Enthusiastisch geht er seiner Aufgabe nach: Der Drucker spuckt regelmäßig Blätter aus und her K. tippt den darauf befindlichen Text in seinen Computer ein. Dann schreddert er das Blatt Papier und das ganze beginnt von vorne. Zwischendurch versucht er seinen Bürosessel richtig einzustellen und seinen Arbeitsplatz mit Pflanzen zu verschönern. Angeleitet wird er stets von einer weiblich klingenden Computerstimme, die ihn bestimmt auf falsche Schritte hinweist. Doch Herr K. scheint glücklich mit der Situation zu sein und ruft: „Meine Arbeit bestimmt mein ganzes Leben! Ich brenne für meinen Job!“.

Doch jedes Mal, wenn das Horn erneut zur Arbeit ruft, wird diese überfordernder. Der Drucker spuckt immer mehr Blätter aus und der Papierberg ist für Herrn K. nicht mehr zu bewältigen. Seine Verzweiflung nimmt zu, aber die Computerstimme weist ihn nur darauf hin, seine tägliche Pflicht zu erfüllen.

Die Stimmung wird immer bedrohlicher und schließlich stellt das Stück die Frage, ob Herr K. dem Kreislauf dieser sinnlosen Tätigkeit entkommen kann und wie. Und falls es möglich ist, was passiert dann mit seiner Arbeit, die dennoch erledigt werden muss?

Begleitet wird der beinahe Soloauftritt von Klaus Seewald von verschiedensten Soundeffekten und musikalischen Elementen, die sowohl die Stimmung als auch die Tätigkeiten des Protagonisten perfekt unterstreichen. So ersetzen die Soundeffekte fehlende Requisiten wie die Bürokaffeemaschine. Besonderes Highlight: Flippergeräusche ertönen und Herr K. wird wie der Ball in einem Spielautomaten quer durch den Büroalltag herumgewirbelt.

Besonders hervorzuheben ist an diesem Abend die schauspielerische Leistung von Klaus Seewald, der auch körperlich alles gibt. Beim Workoutprogramm der Arbeitsstelle turnt er wie wild am Boden und als Marionette lässt er sich von Monika Zöhrer durch den ganzen Bühnenraum dirigieren. Ständig sind seine Bewegungen mit den vielfachen Soundeffekten und der Musik im Einklang und schaffen ein schönes Gesamtbild. Die wachsende Verzweiflung Herrn K.s kauft man ihm bis in die letzten Reihen ab und spürt man bis in die Knochen, wenn dieser feststellt: „Ich warte die ganze Woche auf Freitag, das ganze Jahr auf den Sommer und das ganze Leben auf das Glück“.

Sisyphos 2.0 schafft es diese Stimmung bis zum Ende des Stücks tief im Raum zu verankern und als die beiden Schauspieler sich zum letzten Mal verbeugt haben, herrscht absolute Ruhe im Raum. Ein sehr gelungener Theaterabend, der zum Nachdenken über die Leistungsgesellschaft und deren Sinnhaftigkeit anregt. Mutige Stücke wie diese sollten auf jeden Fall einen Besuch wert sein.

Kulturreferat der ÖH Uni Graz, Teresa Guggenberger

Team

Regie
Monika Zöhrer

Schauspiel, Inszenierung
Monika Zöhrer, Klaus Seewald

Stückentwicklung
Creative Team

Dramaturgie
Eva Wallensteiner

Musik, Live Elektronik
Christof Ressi

Bühne
Christina Bergner

Kostüme
Barbara Häusl

Licht Design
Christina Bergner

Produktion
Theater Feuerblau